S/4 HANA Finance – wirklich eine Revolution?

S/4 HANA Finance – wirklich eine Revolution?
veröffentlicht
14 Februar 2018
geschrieben von
Karolina Berks
In der Branche und in der Welt von SAP hören wir von allen Seiten Neuigkeiten, Informationen und Impulse bezüglich der Revolution, die der Übergang zur neuen SAP-Version S/4 HANA auslösen soll. Dies betrifft sowohl Endbenutzer, Entwickler und Berater als auch eine große Gruppe von Marketingleuten. Alle sind aufgeregt und gespannt. Wir werden mit hochtrabenden Reden gefüttert und ich habe in Wirklichkeit den Eindruck, dass sich alle dieselbe Frage stellen – was ist S/4 HANA Finance eigentlich? Welche greifbaren Änderungen bringt es? Wodurch unterscheidet es sich konkret von dem bisherigen, uns bekannten ERP?

Um auf diese Frage zu antworten, muss man mit der Grundlage von S/4 HANA beginnen – also dem Echtzeitbetrieb. Geringste Aktivitäten des Kunden, wirtschaftliche Ereignisse – alles wird hier und jetzt analysiert. So verlangt es die sich wandelnde Geschäftswelt. Alle Unternehmen analysieren am Tagesende Leistungen, Prozesse und Bedürfnisse einzelner Benutzer, um alles auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Zu diesem Zweck brauchen sie ein Werkzeug, das für eine solche Integration (einschließlich einer enormen Datenmenge) bereit ist. Und gerade so eine Lösung kommt nun mit S/4 HANA daher – als für eine völlig neue Technologie offenes System ist es die Antwort auf den zeitgenössischen Geschäftsansatz. HANA konzentriert sich auf die Funktionen und Rollen in einer gegebenen Organisation. Außerdem ist es vollständig mobil – dank SAP Fiori, mit dem wir auch über Smartphone und Tablet Zugriff auf die Daten und das Datenmanagement haben.

Aber was bedeutet das konkret? Hier die wichtigsten (aber nicht alle) Unterschiede:

  1. Single source of truth – also eine einzige Quelle der Wahrheit – wie auch immer das klingen mag, es geht um die Verbindung von Datenstrukturen aus verschiedenen Komponenten (FI,AA,CO, CO-PA) in einer ACDOCA-Tabelle. Damit werden mehrere aggregierte Indextabellen eliminiert und die Datenmenge beachtlich reduziert.
  2. Bücher und Währungen – zu den parallelen Büchern, die uns aus dem Neuen Hauptbuch schon bekannt sind, fügt S/4 HANA ein weiteres Buch hinzu – das sog. Extension Ledger. Es ist mit dem Hauptbuch verbunden und alle für das Zusatzbuch ausgelösten Berichte beziehen Daten aus beiden Büchern, um auf diese Weise ein vollständiges Bild vom Stand des Unternehmens zu geben.
  3. Berichte über Einzelpositionen – Die uns bekannten Berichte FBL1N, FBL5N, FAGLL03 existieren weiter, mit einem geringfügig anderen Namen, nämlich mit dem Buchstaben H in Anlehnung an HANA – FBL1H, FBL5H, FAGLL03H, und mit einem anderen Aussehen.
  4. Verbindung von CO und FI – S/4 HANA führt ein Universal Journal ein: der Tagebuchbereich dient zur Speicheung des GL-Kontos und des Kostenelements. Die (sowohl primären als auch sekundären) Kostenelemente sind gegenwärtig GL-Konten und werden demzufolge mit der entsprechenden Kategorie des Kostenelements erstellt / geführt (in FS00). Verrechnungen (im Fall von CO und FI) sind damit nun unnötig. Dadurch wird wiederum der Abschluss der Verrechnungsperioden beschleunigt.
  5. Geschäftspartner – alle Konten bisheriger Lieferanten und Abnehmer werden als Geschäftspartner migriert. Diese Funktionalität ist uns bereits bekannt, wenn auch aus dem Treasury-Modul. Für S/4 HANA ist dies hingegen ein obligatorischer Schritt, der zu Anfang einige Schwierigkeiten bereitet. Aber es ist nur eine Frage des Vertrautwerdens mit der neuen Funktionalität, die an vielen Stellen an die dem Benutzer bekannten Ansichten aus den Transaktionen XD03, FD03 usw. erinnert. Und sie bringt gleichzeitig viele neue Felder und Möglichkeiten mit sich. Und sei es nur die Zeiteinschränkung für die Adresse des betreffenden GP– was das Management der Daten in Ausdrucken und Rechnungen zum Zeitpunkt einer Änderung deutlich erleichtert.
  6. Kreditmanagement (Kreditkontrolle) – FI-AR-CR wurde durch die Funktionalität FSCM (Financial supply chain management) ersetzt. Die traditionelle Einstellung der Kreditkontrolle FI-AR-CR erfordert einen recht hohen manuellen Arbeitsaufwand. FSCM-CR bietet hingegen fortgeschrittene Funktionen, wie:
    • die Einstellung des Kreditverfahrens für die automatische Berechnung des Kreditlimits,
    • die automatische Aktualisierung der grundlegenden Daten für die Bestätigung des Kreditlimits usw.,
    • den WF-Prozess für Kreditereignisse usw.,
  7. CO-PA – Die vorwiegend angewandte Variante COPA ist eine (kontengestützte) Buchhaltungsvariante. Optional kann eine (auf Wertfelder gestützte) Ergebnis- und Marktsegmentrechnung (COPA) benutzt werden. Die beiden Versionen können gleichzeitig eingesetzt werden.

Dies sind nur einige der Unterschiede, die uns S/4 HANA Finance bringt. Alle Neuheiten wurden eingeführt, um die Arbeit zu beschleunigen und einen breiteren, vollständigeren und globaleren Überblick über die Prozesse in einer Organisation zu bekommen.

Haben wir es mit einer finanziellen Revolution in der Welt von SAP zu tun? Davon werden wir uns erst nach einigen Jahren der Anwendung, des Testens und der Nutzung der neuen Lösungen ein Bild machen können.

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Karolina Berks
SAP Consultant, Hicron

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